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Hashimoto Thyreoiditis Video

Informations-Video mit
Prof. Dr. med. Herrmann

Prof. Dr. med. B. L. Herrmann ist Endokrinologe aus Bochum und Experte für Schilddrüsenerkrankungen. Im Video informiert er über „Hashimoto Thyreoiditis“.

Hinweis: Dieses Video enthält einen KI-generierten Avatar und eine KI-generierte Stimme. Die medizinischen Inhalte wurden fachlich geprüft.

Text im Video

Hashimoto-Thyreoiditis – die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und in jodversorgten Ländern die mit Abstand häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Dabei greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse an, entzündet sie langsam über Jahre hinweg und zerstört dabei zunehmend das hormonproduzierende Gewebe. Am Ende dieses schleichenden Prozesses steht meist eine Unterfunktion, medizinisch Hypothyreose genannt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, und die Erkrankung tritt oft familiär gehäuft auf.

Symptome

Weil sich die Schilddrüsenfunktion meist nur langsam verschlechtert, entwickeln sich die Beschwerden oft schleichend und werden lange nicht erkannt. Typisch sind Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung, trockene Haut und brüchige Haare, Verstopfung, ein verlangsamter Puls sowie depressive Verstimmungen und Konzentrationsstörungen. Viele Frauen bemerken zudem Zyklusstörungen. Manche Patienten spüren zu Beginn der Erkrankung auch ein leichtes Druckgefühl oder Kloßgefühl am Hals, während die Schilddrüse selbst oft nur mäßig oder gar nicht vergrößert ist – im Verlauf kann sie sogar schrumpfen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose stützt sich auf drei Säulen: Hormonwerte, Antikörper und Bildgebung.

Hormonuntersuchung: Der wichtigste Suchparameter ist das TSH, das steuernde Hormon der Hirnanhangdrüse. Ist es erhöht, deutet dies auf eine Unterfunktion hin. Zur weiteren Einordnung wird das freie T4 bestimmt. Ist das TSH erhöht, das freie T4 aber noch normal, spricht man von einer latenten, subklinischen Unterfunktion. Ist zusätzlich das freie T4 erniedrigt, liegt eine manifeste, also eine ausgeprägte Unterfunktion vor.

Antikörper: Charakteristisch für Hashimoto ist der Nachweis von Antikörpern gegen die Schilddrüsenperoxidase, den sogenannten TPO-Antikörpern, seltener auch gegen Thyreoglobulin. Sie bestätigen die autoimmune Ursache der Erkrankung.

Ultraschall: Im Ultraschall zeigt sich typischerweise ein unregelmäßiges, echoarmes Muster des Schilddrüsengewebes als Zeichen der chronischen Entzündung.

Welcher TSH-Wert wird angestrebt und wann wird behandelt?

Diese Frage wird in den internationalen Leitlinien differenziert beantwortet.

Bei einer eindeutigen, manifesten Unterfunktion, also erhöhtem TSH bei gleichzeitig erniedrigtem freiem T4, besteht Einigkeit: Es sollte behandelt werden.

Schwieriger ist die Entscheidung bei der latenten Unterfunktion. Nach dem gemeinsamen Konsens von Endocrine Society und American Thyroid Association gilt: Bei einem TSH-Wert über 10 mU/l wird in der Regel zur Behandlung geraten. Liegt der Wert darunter, im Bereich zwischen dem oberen Grenzwert des Labors und 10 mU/l, wird keine routinemäßige Behandlung empfohlen. Hier wird individuell entschieden – insbesondere wenn Beschwerden bestehen, die Antikörper positiv sind oder ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegt.

Unter Therapie wird bei den meisten Erwachsenen ein TSH-Wert im unteren bis mittleren Normbereich angestrebt, üblicherweise zwischen etwa 0,5 und 2,5 mU/l, wobei die eigentliche Zielgröße stets individuell festgelegt wird.

Besonderheit: Ältere Patienten über 80 Jahre

Mit zunehmendem Alter steigt der TSH-Wert physiologisch an, ohne dass dies zwangsläufig behandlungsbedürftig ist. Für hochbetagte Patienten über 80 Jahre gilt daher ein deutlich zurückhaltenderer Ansatz als bei jüngeren Erwachsenen: TSH-Werte von bis zu etwa 6 bis 10 mU/l gelten in diesem Alter oft noch als akzeptabel, wenn keine Beschwerden bestehen. Große Studien haben gezeigt, dass ältere Menschen mit nur mild erhöhtem TSH von einer Hormontherapie in Bezug auf Lebensqualität und Befinden meist nicht profitieren, gleichzeitig aber ein reales Risiko der Überdosierung mit Herzrhythmusstörungen oder Osteoporose besteht. Deshalb wird bei asymptomatischen, sehr alten Patienten mit TSH-Werten unter etwa 10 mU/l meist auf eine Behandlung verzichtet oder ein abwartendes, beobachtendes Vorgehen mit Kontrollen gewählt. Diese Entscheidung sollte stets individuell und unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen getroffen werden.

Therapie: Monotherapie mit Levothyroxin

Standardtherapie ist die lebenslange Substitution mit synthetischem Levothyroxin, also T4. Diese Monotherapie ist gut untersucht, wirksam, sicher und kostengünstig. Der Körper wandelt das zugeführte T4 selbst bedarfsgerecht in das aktivere Hormon T3 um. Die Dosis wird einschleichend begonnen und anhand des TSH-Wertes, meist nach sechs bis acht Wochen, schrittweise angepasst.

Wie sollte das Schilddrüsenhormon eingenommen werden?

Für eine zuverlässige Aufnahme des Wirkstoffs sind einige Regeln wichtig:

  • Die Tablette sollte täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden, im besten Fall morgens nüchtern, etwa 20-30Minuten vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser.
  • Alternativ ist die Einnahme abends, mindestens vier Stunden nach der letzten Mahlzeit, möglich, wenn dies für den Patienten praktikabler ist.
  • Ein zeitlicher Abstand von mindestens vier Stunden sollte zu Kalzium- und Eisenpräparaten, Magnesium, Antazida sowie manchen Protonenpumpenhemmern eingehalten werden, da diese die Aufnahme deutlich verringern können.
  • Auch Kaffee sollte möglichst nicht unmittelbar mit der Tablette eingenommen werden.
  • Die Einnahme sollte möglichst konsequent und dauerhaft erfolgen, da schon kleine Unregelmäßigkeiten die Hormonwerte schwanken lassen können.

Kombinationstherapie mit T3

Ein Teil der Patienten fühlt sich trotz normalisierter TSH-Werte unter reiner T4-Therapie weiterhin nicht vollständig beschwerdefrei – Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gewichtsprobleme können bestehen bleiben. Hier wird gelegentlich eine Kombinationstherapie aus Levothyroxin und Liothyronin, also zusätzlichem T3, diskutiert.

Die gemeinsame Stellungnahme von American Thyroid Association, British Thyroid Association und European Thyroid Association ist hierzu zurückhaltend: Die meisten kontrollierten Studien konnten keinen eindeutigen Vorteil der Kombinationstherapie gegenüber der reinen T4-Gabe hinsichtlich Lebensqualität, Wohlbefinden oder kognitiver Leistungsfähigkeit nachweisen. Dennoch wird ein zeitlich begrenzter Behandlungsversuch, meist über drei bis sechs Monate, bei anhaltend symptomatischen Patienten als individuelle Option in Erwägung gezogen, sofern zuvor eine korrekte Diagnose und eine ausreichend dosierte T4-Therapie sichergestellt wurden. Eine solche Kombinationstherapie sollte engmaschig überwacht werden, da T3 eine kürzere Wirkdauer hat und die Werte stärker schwanken können. Als Routinetherapie für alle Patienten wird sie jedoch ausdrücklich nicht empfohlen.

Kinderwunsch und Fertilität

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder wiederholten Fehlgeburten wird häufig nach TPO-Antikörpern gesucht. Nach den aktuellen Empfehlungen gilt: Ist die Schilddrüsenfunktion normal, also die TSH- und T4-Werte im Referenzbereich, wird bei alleinigem Nachweis von TPO-Antikörpern keine Levothyroxin-Gabe empfohlen, auch nicht bei Unfruchtbarkeit, geplanter künstlicher Befruchtung oder wiederholten Fehlgeburten in der Vorgeschichte – ein vorbeugender Behandlungsversuch hat sich hier nicht als vorteilhaft erwiesen. Stattdessen wird bei diesen Frauen empfohlen, die Schilddrüsenfunktion alle drei bis sechs Monate zu kontrollieren, da bei einem relevanten Anteil der betroffenen Frauen im Verlauf, meist im Jahr vor der Empfängnis oder während der Schwangerschaft selbst, eine latente oder manifeste Unterfunktion entstehen kann.

Schwangerschaft

Die Schwangerschaft stellt für die Schilddrüse eine besondere Belastungsprobe dar, da der Hormonbedarf um bis zu fünfzig Prozent ansteigt. Bei Frauen mit Hashimoto, deren Schilddrüsenreserve durch die Entzündung bereits eingeschränkt ist, kann sich dadurch erstmals oder verstärkt eine Unterfunktion zeigen.

Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Levothyroxin einnehmen, sollten die Dosis meist umgehend nach positivem Schwangerschaftstest erhöhen, häufig um etwa zwanzig bis dreißig Prozent, zum Beispiel durch zwei zusätzliche Tabletteneinnahmen pro Woche. Die TSH-Kontrollen erfolgen während der Schwangerschaft engmaschig, etwa alle vier Wochen im ersten und zweiten Trimester und mindestens einmal im dritten Trimester. Wird während der Schwangerschaft erstmals ein leicht erhöhter TSH-Wert festgestellt, wird nach den neuesten Empfehlungen empfohlen, diesen Befund zunächst durch eine zweite Messung zu bestätigen, bevor eine Behandlung begonnen wird, um eine unnötige Übertherapie zu vermeiden.

Levothyroxin gilt in der Schwangerschaft als sicher und sollte bei bestehender Unterfunktion keinesfalls abgesetzt werden, da eine unbehandelte Unterfunktion das Risiko für Fehlgeburt, Frühgeburt und Entwicklungsstörungen des Kindes erhöhen kann. Wichtig ist zudem eine ausreichende Jodzufuhr über eine tägliche Jodsupplementierung, sowie ein zeitlicher Abstand von mindestens vier Stunden zwischen der Levothyroxin-Einnahme und Schwangerschaftsvitaminen, da diese oft Eisen oder Kalzium enthalten.

Stillzeit

Levothyroxin kann während der Stillzeit unverändert eingenommen werden und gilt als gut verträglich für das gestillte Kind. Etwa sechs Wochen nach der Geburt sollte eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte erfolgen, da sich der Hormonbedarf nach der Entbindung meist wieder verringert und die Dosis entsprechend angepasst werden muss. Bei Frauen, die erst während der Schwangerschaft neu auf Levothyroxin eingestellt wurden und keine unmittelbaren weiteren Kinderwunschpläne haben, kann nach der Geburt in Abstimmung mit dem Arzt auch ein Auslassversuch erwogen werden.

Wechseljahre

In und nach den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt insgesamt, und auch der Bedarf an Schilddrüsenhormon kann schwanken, unter anderem durch Veränderungen des Körpergewichts und des Östrogenspiegels. Da viele Wechseljahresbeschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen den Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion ähneln, ist in dieser Lebensphase eine sorgfältige Kontrolle der Schilddrüsenwerte besonders wichtig, um beide Ursachen sauber voneinander abzugrenzen und die Levothyroxin-Dosis bei Bedarf anzupassen.

Mit Hashimoto assoziierte Erkrankungen

Die Hashimoto-Thyreoiditis tritt gehäuft gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, da eine gemeinsame immunologische Veranlagung zugrunde liegt. Dazu zählen insbesondere:

  • Typ-1-Diabetes
  • Zöliakie, also die Glutenunverträglichkeit
  • Perniziöse Anämie durch Vitamin-B12-Mangel infolge einer Autoimmungastritis
  • Morbus Addison, eine Unterfunktion der Nebennierenrinde
  • Vitiligo, eine Pigmentstörung der Haut
  • Rheumatoide Arthritis und andere Kollagenosen wie der systemische Lupus erythematodes
  • Alopecia areata, der kreisrunde Haarausfall

Bei entsprechenden Beschwerden oder bei Verdacht kann es daher sinnvoll sein, gezielt nach diesen Begleiterkrankungen zu suchen.

Zusammenfassung

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine häufige, gut behandelbare Autoimmunerkrankung. Die Diagnose stützt sich auf TSH- und T4-Werte sowie den Nachweis von TPO-Antikörpern, ergänzt durch den Ultraschall. Die Therapie erfolgt in aller Regel als lebenslange Monotherapie mit Levothyroxin, wobei Dosierung und Zielwerte individuell angepasst werden – besonders zurückhaltend bei hochbetagten Patienten, und besonders engmaschig bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft. Eine Kombinationstherapie mit T3 bleibt Einzelfällen vorbehalten. Regelmäßige Verlaufskontrollen und die Kenntnis möglicher Begleiterkrankungen helfen, die Behandlung optimal zu steuern und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu sichern.