Video zu Prolaktinom
Informations-Video mit
Prof. Dr. med. Herrmann
Prof. Dr. med. B. L. Herrmann ist Endokrinologe aus Bochum und Experte für Hypophysenerkrankungen. Im Video informiert er über „Prolaktinom“.
Hinweis: Dieses Video enthält einen KI-generierten Avatar und eine KI-generierte Stimme. Die medizinischen Inhalte wurden fachlich geprüft.
Text im Video
Was ist ein Prolaktinom?
Ein Prolaktinom ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), der das Hormon Prolaktin bildet. Es ist der häufigste hormonell aktive Hypophysentumor überhaupt. Je nach Größe unterscheidet man Mikroprolaktinome (kleiner als 10 Millimeter) von Makroprolaktinomen (10 Millimeter oder größer). Mikroprolaktinome treten deutlich häufiger bei Frauen auf, während Makroprolaktinome bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vorkommen. Bösartige, also krebsartige Formen sind sehr selten.
Prolaktin ist normalerweise für die Milchbildung nach der Geburt zuständig. Ist der Prolaktinspiegel dauerhaft erhöht, spricht man von einer Hyperprolaktinämie. Diese kann neben einem Prolaktinom auch andere Ursachen haben, etwa bestimmte Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Nierenerkrankung, starken Stress oder andere Tumoren im Bereich der Hypophyse.
Symptome bei Frauen
Bei Frauen führt ein erhöhter Prolaktinspiegel meist zu Zyklusstörungen: Die Regelblutung bleibt aus oder wird unregelmäßig, da Prolaktin den Eisprung unterdrückt. Etwa jede fünfte erworbene Zyklusstörung geht auf eine Hyperprolaktinämie zurück. Typisch ist außerdem eine Galaktorrhoe, also Milchfluss aus der Brust außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit. Weil der Eisprung ausbleibt, ist häufig auch die Fruchtbarkeit eingeschränkt – ein unerfüllter Kinderwunsch ist bei Frauen oft der Anlass, aus dem ein Prolaktinom entdeckt wird. Langfristig kann der begleitende Östrogenmangel zudem die Knochendichte verringern. Bei größeren Tumoren treten zusätzlich Kopfschmerzen und, durch Druck auf die Sehnervkreuzung, Gesichtsfeldausfälle auf.
Symptome bei Männern
Bei Männern wird die Erkrankung oft später erkannt, weil die Beschwerden unspezifischer sind. Im Vordergrund stehen Libidoverlust, Erektionsstörungen und ein Rückgang von Bart- und Körperbehaarung als Folge des begleitenden Testosteronmangels. Eine Vergrößerung der Brustdrüse oder Milchfluss sind seltener als bei Frauen. Da Prolaktinome bei Männern häufiger erst spät, wenn sie bereits als Makroprolaktinom vorliegen, erkannt werden, sind Kopfschmerzen und Gesichtsfeldausfälle bei ihnen vergleichsweise oft das erste auffällige Symptom.
Diagnose
Die Diagnostik beginnt mit der Messung des Prolaktinspiegels im Blut. Zuvor müssen andere Ursachen einer Hyperprolaktinämie ausgeschlossen werden: eine Schwangerschaft, eine Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente (zum Beispiel manche Antidepressiva, Antipsychotika oder Mittel gegen Übelkeit) sowie Nieren- oder Lebererkrankungen. Auch das sogenannte Makroprolaktin, eine biologisch weniger aktive Form des Hormons, kann laborchemisch zu falsch-hohen Werten führen und sollte bei Verdacht gezielt ausgeschlossen werden.
Je höher der Prolaktinwert, desto wahrscheinlicher und meist auch größer ist das zugrunde liegende Adenom; Werte über etwa 250 µg/l (rund 5.000 mU/l) sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit für ein Prolaktinom. Zur Sicherung der Diagnose und zur Beurteilung der Tumorgröße erfolgt eine Kernspintomographie (MRT) der Hypophyse. Bei Makroprolaktinomen mit möglicher Nähe zur Sehnervkreuzung wird zusätzlich eine augenärztliche Gesichtsfelduntersuchung durchgeführt.
Medikamentöse Therapie (Tabletten)
Anders als bei fast allen anderen Hypophysentumoren ist die medikamentöse Therapie beim Prolaktinom die Behandlung der ersten Wahl – eine Operation ist meist nicht notwendig. Eingesetzt werden sogenannte Dopaminagonisten, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Dopamin nachahmen, der die Prolaktinausschüttung natürlicherweise hemmt.
Nach den Empfehlungen der Endocrine Society gilt Cabergolin als Mittel der ersten Wahl: Es ist wirksamer als Bromocriptin, normalisiert den Prolaktinspiegel bei mehr Patientinnen und Patienten, verkleinert Tumoren zuverlässiger und wird meist besser vertragen, da es nur ein- bis zweimal pro Woche statt täglich eingenommen werden muss. Bromocriptin bleibt eine Alternative, insbesondere wenn kurzfristig eine Schwangerschaft geplant ist, da zu diesem Wirkstoff die meisten Langzeitdaten zur Sicherheit in der Frühschwangerschaft vorliegen.
Unter der Behandlung normalisiert sich der Prolaktinspiegel bei der großen Mehrheit der Patientinnen und Patienten; bei über 80 Prozent kommt es außerdem zu einer deutlichen Tumorverkleinerung. Zyklus und Fruchtbarkeit bei Frauen sowie Libido und Testosteronspiegel bei Männern erholen sich meist innerhalb weniger Wochen bis Monate. Die Behandlung wird in der Regel über Jahre fortgeführt und durch regelmäßige Kontrollen des Prolaktinspiegels sowie – bei Makroprolaktinomen – durch MRT-Verlaufskontrollen begleitet. Nach mehrjähriger, erfolgreicher Therapie mit nachgewiesener Tumorverkleinerung kann bei einem Teil der Betroffenen unter engmaschiger Kontrolle ein vorsichtiger Auslassversuch unternommen werden.
Operative Therapie
Eine Operation – in aller Regel ein minimalinvasiver Eingriff durch die Nase (transnasal-transsphenoidal) – kommt infrage, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirkt, nicht vertragen oder abgelehnt wird, sowie bei einer akuten Einblutung in den Tumor (Hypophysenapoplexie) mit rasch fortschreitenden Sehstörungen. Auch wenn sich Gesichtsfeldausfälle unter medikamentöser Therapie nicht rasch genug zurückbilden, wird häufiger operiert. Eine Bestrahlung ist nur in seltenen, therapieresistenten oder aggressiven Fällen notwendig.
Besonderheiten bei Frauen mit Kinderwunsch
Bei Frauen mit Mikroprolaktinom und Kinderwunsch wird die Behandlung mit einem Dopaminagonisten bis zum Eintritt der Schwangerschaft fortgeführt und danach in der Regel abgesetzt, da das Risiko eines relevanten Tumorwachstums während der Schwangerschaft bei Mikroprolaktinomen gering ist (deutlich unter 5 Prozent).
Bei Frauen mit Makroprolaktinom ist die Situation komplexer, da die Hypophyse in der Schwangerschaft physiologisch anwächst und auch das Prolaktinom selbst deutlich häufiger wächst als ein Mikroprolaktinom. Hier gibt es zwei anerkannte Strategien: entweder wird vor der geplanten Schwangerschaft operiert, um die Tumormasse zu verkleinern, oder der Dopaminagonist wird – nach sorgfältiger Aufklärung – während der gesamten Schwangerschaft weitergegeben. Beide Vorgehen haben sich als sicher für das Kind erwiesen. Die Betreuung sollte interdisziplinär zwischen Endokrinologie, Gynäkologie und, falls erforderlich, Neurochirurgie erfolgen.
Vorgehen in der Schwangerschaft
Sobald eine Schwangerschaft eingetreten ist, verlieren Prolaktinwerte im Blut ihre diagnostische Aussagekraft, da sie physiologisch – unabhängig vom Tumor – ansteigen; routinemäßige Prolaktinmessungen während der Schwangerschaft werden deshalb nicht empfohlen. Bei Frauen mit Mikroprolaktinom wird der Dopaminagonist meist mit Bestätigung der Schwangerschaft abgesetzt; eine engmaschige klinische Kontrolle in jedem Trimester, insbesondere auf Kopfschmerzen und Sehstörungen, ist ausreichend.
Bei Frauen mit Makroprolaktinom, insbesondere bei Tumornähe zur Sehnervkreuzung, wird in jedem Trimester zusätzlich eine augenärztliche Gesichtsfelduntersuchung empfohlen. Treten neu Kopfschmerzen, Sehstörungen oder andere Hinweise auf ein Tumorwachstum auf, erfolgt eine MRT-Untersuchung der Hypophyse ohne Kontrastmittel; Gadolinium-haltiges Kontrastmittel wird in der Schwangerschaft nach Möglichkeit vermieden. Zeigt sich ein relevantes Tumorwachstum, wird je nach Situation der Dopaminagonist wieder aufgenommen oder gesteigert. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei rasch fortschreitenden Sehstörungen, ist eine Operation während der Schwangerschaft notwendig – bevorzugt im zweiten Trimester.
Stillen
Stillen ist nach heutigem Kenntnisstand auch nach einem Prolaktinom grundsätzlich möglich und wird durch die Erkrankung selbst nicht eingeschränkt. Da Dopaminagonisten jedoch die Milchbildung unterdrücken, werden sie bei Frauen mit Mikroprolaktinom nach der Geburt üblicherweise nicht weiter eingenommen, sofern kein Hinweis auf ein Tumorwachstum besteht. Bei Frauen mit Makroprolaktinom, die während der Schwangerschaft weiterbehandelt wurden, wird die Fortführung der Therapie in der Stillzeit individuell abgewogen.
Zusammenfassung
Das Prolaktinom ist ein gutartiger, gut behandelbarer Hypophysentumor. Bei Frauen zeigt es sich meist durch Zyklusstörungen, Milchfluss und Fruchtbarkeitsstörungen, bei Männern durch Libidoverlust und Erektionsstörungen – häufig erst im fortgeschrittenen Stadium mit Kopfschmerzen und Sehstörungen. Die Diagnose stützt sich auf die Prolaktinmessung im Blut und die Kernspintomographie der Hypophyse. Anders als bei den meisten Hypophysentumoren ist die medikamentöse Therapie mit Dopaminagonisten – bevorzugt Cabergolin – die Behandlung der ersten Wahl; eine Operation bleibt speziellen Situationen vorbehalten. Bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft ist ein individuell abgestimmtes, interdisziplinäres Vorgehen entscheidend, um sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind bestmöglich zu schützen.


