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Morbus Basedow Video

Informations-Video mit
Prof. Dr. med. Herrmann

Prof. Dr. med. B. L. Herrmann ist Endokrinologe aus Bochum und Experte für Schilddrüsenerkrankungen. Im Video informiert er über „Morbus Basedow“.

Hinweis: Dieses Video enthält einen KI-generierten Avatar und eine KI-generierte Stimme. Die medizinischen Inhalte wurden fachlich geprüft.

Text im Video

Morbus Basedow – die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion

Morbus Basedow, im Englischen Graves‘ Disease genannt, ist eine Autoimmunerkrankung und die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion. Dabei bildet das Immunsystem Antikörper, die sogenannten TRAK oder TSH-Rezeptor-Antikörper, welche den TSH-Rezeptor auf der Schilddrüse dauerhaft aktivieren. Die Folge ist eine unkontrollierte, überschießende Produktion von Schilddrüsenhormonen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Symptome

Typische Beschwerden der Überfunktion sind Herzrasen und Herzstolpern, innere Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit, Zittern der Hände, Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit, Wärmeintoleranz und vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen sowie Durchfälle. Viele Frauen bemerken zudem Zyklusstörungen. Charakteristisch für den Morbus Basedow, im Unterschied zu anderen Ursachen einer Überfunktion, sind zusätzliche Augensymptome: die sogenannte endokrine Orbitopathie kann zu hervortretenden Augäpfeln, einem Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, Doppelbildern und einer Schwellung der Augenlider führen. Auch eine sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse, die sogenannte Struma, tritt häufig auf.

Diagnose und Hormonuntersuchung

Auch hier steht die Hormonuntersuchung im Zentrum: Ein supprimiertes, also erniedrigtes TSH bei gleichzeitig erhöhtem freiem T4 und häufig auch erhöhtem freiem T3 bestätigt die Überfunktion. Entscheidend zur Bestätigung des Morbus Basedow ist der Nachweis der TSH-Rezeptor-Antikörper im Blut, die bei den allermeisten Patienten positiv sind und zudem eine wichtige Rolle für die Prognose und die Therapieplanung spielen.

Der Ultraschall:

Der Ultraschall der Schilddrüse ergänzt die Diagnostik wichtig. Typisch für den Morbus Basedow ist eine meist diffus vergrößerte Schilddrüse mit echoarmem, unruhigem Gewebemuster. Besonders charakteristisch ist der Nachweis einer stark gesteigerten Durchblutung im Farbdoppler, umgangssprachlich manchmal als „Inferno-Zeichen“ bezeichnet, als Ausdruck der massiv gesteigerten Stoffwechselaktivität. Der Ultraschall hilft außerdem, Knoten in der Schilddrüse zu erkennen, die gegebenenfalls weiter abgeklärt werden müssen, und liefert eine wichtige Ausgangsuntersuchung für die Verlaufskontrolle. Eine Schilddrüse-Szintigraphie ist bei einem fehlenden Knotennachweis nicht erforderlich.

Therapiemöglichkeiten

Nach den aktuellen Leitlinien von Endocrine Society, American Thyroid Association und European Thyroid Association stehen drei gleichwertige Behandlungswege zur Verfügung, zwischen denen gemeinsam mit dem Patienten unter Abwägung von Vor- und Nachteilen entschieden wird.

  • Medikamentöse Therapie mit Thyreostatika: Mittel der ersten Wahl ist in den meisten Fällen Thiamazol beziehungsweise das verwandte Carbimazol. Zweitlinienpräparat ist das Propylthiouracil. Diese Medikamente hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone. Begleitend werden zu Beginn oft Betablocker eingesetzt, um Symptome wie Herzrasen und Zittern rasch zu lindern. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Blutbildes, da in seltenen Fällen ein gefährlicher Abfall der weißen Blutkörperchen, eine Agranulozytose, oder auch LeberWerterhöhungen auftreten können.
  • Radiojodtherapie: Hierbei wird radioaktives Jod verabreicht, das sich gezielt in der Schilddrüse anreichert und das überaktive Gewebe von innen heraus zerstört. Diese Therapie führt meist zu einer dauerhaften Unterfunktion, die anschließend mit Levothyroxin ausgeglichen werden muss. Bei aktiver, mittelschwerer bis schwerer endokriner Orbitopathie, insbesondere bei Rauchern, sollte die Radiojodtherapie zurückhaltend eingesetzt oder mit einer begleitenden Kortisontherapie kombiniert werden, da sie die Augensymptome verschlechtern kann.
  • Operation: Die vollständige Entfernung der Schilddrüse, die totale Thyreoidektomie, führt zu einer sofortigen und dauerhaften Heilung der Überfunktion und wird insbesondere bei großer Struma mit Beschwerden durch Verdrängung, bei Verdacht auf bösartige Knoten, bei ausgeprägter Orbitopathie oder bei Kinderwunsch innerhalb der nächsten sechs Monate empfohlen. Vor der Operation muss der Patient medikamentös auf eine normale Stoffwechsellage eingestellt werden, um das Risiko einer thyreotoxischen Krise während des Eingriffs zu vermeiden. Nach der Operation ist eine lebenslange Levothyroxin-Substitution erforderlich.

Wie lange dauert die Therapie?

Bei Wahl der medikamentösen Therapie wird eine Behandlungsdauer von achtzehn Monaten empfohlen. Danach kann ein Auslassversuch unternommen werden, wenn sich TSH und insbesondere die TSH-Rezeptor-Antikörper normalisiert haben, da niedrige oder negative Antikörperwerte am Ende der Behandlung mit einer deutlich geringeren Rückfallwahrscheinlichkeit verbunden sind. Kommt es zu einem Rückfall der Überfunktion oder bleiben die Antikörper nach achtzehn Monaten weiterhin deutlich erhöht, wird meist zur definitiven Therapie mittels Radiojod oder Operation geraten. Alternativ kann bei gut verträglicher, niedrig dosierter Medikation auch eine längerfristige Fortführung der Thyreostatika-Therapie über mehrere Jahre eine sichere und wirksame Option sein, insbesondere wenn eine Patientin die definitiven Verfahren vermeiden möchte.

Behandlung bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen mit aktivem Kinderwunsch innerhalb der nächsten sechs Monate wird häufig zur definitiven Therapie mittels Operation geraten, um während der Schwangerschaft selbst nicht mit Thyreostatika behandeln zu müssen. Wurde bereits früher eine Radiojodtherapie oder Operation durchgeführt, sollten die TSH-Rezeptor-Antikörper zu Beginn der Schwangerschaft bestimmt werden, da sie auch nach Behandlung der Schilddrüse selbst noch die kindliche Schilddrüse über die Plazenta stimulieren können.

Wird während der Schwangerschaft erstmals eine Überfunktion festgestellt oder besteht sie bereits, gilt ein sorgfältig abgestimmtes, Trimester-spezifisches Vorgehen:

Erstes Trimester: In dieser Phase der Organentwicklung des Kindes wird Propylthiouracil bevorzugt, da Thiamazol in dieser Frühphase mit einem, wenn auch seltenen, erhöhten Risiko für bestimmte Fehlbildungen wie Aplasia cutis oder Choanalatresie in Verbindung gebracht wird. Propylthiouracil selbst birgt ein geringes, aber ernstzunehmendes Risiko einer Leberschädigung.

Zweites und drittes Trimester: Um das Leberrisiko durch eine länger andauernde Propylthiouracil-Einnahme zu vermeiden, wird meist etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche auf Methimazol zurückgewechselt.

Grundsätzlich wird stets die niedrigste wirksame Dosis angestrebt, mit dem Ziel, das freie T4 im hochnormalen Bereich zu halten, und die Werte werden alle zwei bis vier Wochen kontrolliert. Da die Immunaktivität in der zweiten Schwangerschaftshälfte häufig nachlässt, kann die Dosis oft reduziert und manche Patientinnen können die Medikation unter engmaschiger Kontrolle sogar vorübergehend pausieren.

Ist eine dringende, nicht aufschiebbare Schilddrüsenoperation während der Schwangerschaft notwendig, sollte diese nach Möglichkeit im zweiten Trimester erfolgen, da dort das Risiko für vorzeitige Wehen und Fehlgeburt am geringsten ist – bei dringlicher Indikation darf eine Operation aber in jedem Trimester durchgeführt werden.

Stillzeit: Sowohl Thiamazol/Carbimazol als auch Propylthiouracil können in der Stillzeit in moderater Dosierung eingenommen werden und gelten dabei als sicher für das Kind. Die Einnahme sollte auf mehrere Einzeldosen über den Tag verteilt und möglichst direkt nach dem Stillen erfolgen, um den Wirkstoffspiegel in der Muttermilch zur nächsten Stillmahlzeit gering zu halten. Regelmäßige Kontrollen der mütterlichen Schilddrüsenwerte werden auch in dieser Phase fortgeführt.

Zusammenfassung

Morbus Basedow ist eine gut behandelbare, aber engmaschig zu überwachende Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Die Diagnose stützt sich auf TSH- und T4-Werte, den Nachweis der TSH-Rezeptor-Antikörper und den charakteristischen Ultraschallbefund mit gesteigerter Durchblutung. Für die Behandlung stehen medikamentöse Therapie, Radiojodtherapie und Operation gleichberechtigt zur Verfügung, wobei die medikamentöse Therapie meist bis zu achtzehn Monate dauert. Bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist ein besonders sorgfältiges, trimesterspezifisches und engmaschig überwachtes Vorgehen erforderlich, um sowohl die Mutter als auch das Kind bestmöglich zu schützen.