Video über Akromegalie
Informations-Video mit
Prof. Dr. med. Herrmann
Prof. Dr. med. B. L. Herrmann ist Endokrinologe aus Bochum und Experte für Hypophysenerkrankungen. Im Video informiert er über „Akromegalie“.
Hinweis: Dieses Video enthält einen KI-generierten Avatar und eine KI-generierte Stimme. Die medizinischen Inhalte wurden fachlich geprüft.
Text im Video
Akromegalie – wenn der Körper zu viel wächst
Akromegalie ist eine seltene, aber ernstzunehmende Hormonerkrankung. Sie entsteht meist durch einen gutartigen Tumor der Hirnanhangdrüse, der Hypophyse, der unkontrolliert Wachstumshormon produziert. Dieses Wachstumshormon regt in der Leber die Bildung eines weiteren Hormons an, IGF-1 genannt. Beide Hormone zusammen sorgen dafür, dass Gewebe im Körper übermäßig wächst – und zwar über viele Jahre hinweg, oft schleichend und unbemerkt.
Welche Symptome treten auf?
Weil sich die Veränderungen so langsam entwickeln, bemerken Betroffene sie häufig selbst nicht. Typisch sind vergrößerte Hände und Füße – der Ehering passt plötzlich nicht mehr, die Schuhgröße wird größer. Auch das Gesicht verändert sich: die Nase wird breiter, das Kinn und die Stirn treten stärker hervor, die Lippen werden voller. Hinzu kommen oft Kopfschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Gelenkschmerzen, ein Karpaltunnelsyndrom durch eingeengte Nerven im Handgelenk sowie Schlafapnoe, also nächtliche Atemaussetzer. Nicht selten entwickelt sich auch ein Diabetes oder Bluthochdruck. Wächst der Tumor auf den Sehnerv, können zusätzlich Sehstörungen auftreten.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Nach den aktuellen internationalen Leitlinien der Endocrine Society steht am Anfang eine Blutuntersuchung: der IGF-1-Spiegel wird gemessen, da er die Wachstumshormon-Aktivität der letzten Tage bis Wochen widerspiegelt und zuverlässiger ist als eine einzelne Messung des Wachstumshormons selbst. Ist der Wert erhöht, folgt zur Bestätigung ein oraler Glukosetoleranztest: Der Patient trinkt eine Zuckerlösung, und bei gesunden Menschen sinkt daraufhin das Wachstumshormon im Blut deutlich ab. Bei Akromegalie bleibt dieser Abfall aus.
Steht die hormonelle Diagnose fest, wird eine Magnetresonanztomographie, also ein MRT der Hypophyse, durchgeführt. Sie zeigt, ob und wie groß der Tumor ist und ob er auf umliegende Strukturen wie den Sehnerv drückt. Diese Bildgebung ist entscheidend für die Planung der weiteren Behandlung.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Therapie wird individuell abgestimmt, richtet sich aber nach einem klaren Stufenschema.
Operation: Erste Wahl ist in der Regel die operative Entfernung des Tumors, meist minimalinvasiv durch die Nase, transsphenoidal genannt. Besonders bei kleinen Tumoren kann dies bereits zur Heilung führen.
Medikamente: Ist eine Operation nicht möglich, nicht vollständig erfolgreich oder wird zusätzlich benötigt, stehen mehrere Medikamentengruppen zur Verfügung. Somatostatin-Analoga wie Octreotid oder Lanreotid drosseln die Hormonproduktion und sind mittlerweile auch als Tablette verfügbar. Der Wachstumshormon-Rezeptor-Blocker Pegvisomant verhindert die Wirkung des Hormons im Körper und wird häufig eingesetzt, wenn andere Präparate nicht ausreichend wirken. Bei milden Verlaufsformen können auch Dopaminagonisten wie Cabergolin helfen. Häufig kommen Kombinationen mehrerer Wirkstoffe zum Einsatz, um die Hormonwerte optimal zu senken.
Bestrahlung: Reichen Operation und Medikamente nicht aus, kann eine gezielte, stereotaktische Bestrahlung der Hypophyse erfolgen. Sie wirkt allerdings erst nach Jahren vollständig und wird deshalb meist als dritte Option eingesetzt.
Wichtig für Betroffene
Akromegalie erfordert eine langfristige, meist lebenslange Nachsorge durch ein spezialisiertes Team aus Endokrinologen, Neurochirurgen und Strahlentherapeuten. Regelmäßige Kontrollen von IGF-1-Werten und MRT-Bildern zeigen, ob die Behandlung wirkt. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und konsequent behandelt, lassen sich Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen deutlich verbessern.


