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Video über Typ-2-Diabetes

Informations-Video mit
Prof. Dr. med. Herrmann

Prof. Dr. med. B. L. Herrmann ist Endokrinologe und Diabetologe aus Bochum. Im Video informiert er über „Diabetes mellitus Typ 2“.

Hinweis: Dieses Video enthält einen KI-generierten Avatar und eine KI-generierte Stimme. Die medizinischen Inhalte wurden fachlich geprüft.

Text im Video

Diabetes mellitus Typ 2 – erkennen, behandeln und Folgeerkrankungen vermeiden

Liebe Patientinnen und Patienten,

Diabetes mellitus Typ 2 gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Viele Menschen verbinden Diabetes vor allem mit einem erhöhten Blutzucker. Die Erkrankung betrifft jedoch nicht nur den Zuckerstoffwechsel.

Langfristig können erhöhte Blutzuckerwerte die Blutgefäße und Nerven schädigen. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen, Augenschäden und Durchblutungsstörungen.

Die gute Nachricht ist: Ein Typ‑2‑Diabetes lässt sich heute sehr wirksam behandeln. Durch eine passende Ernährung, regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion und moderne Medikamente können nicht nur die Blutzuckerwerte verbessert, sondern häufig auch Herz und Nieren geschützt werden.

In diesem Video erklären wir Ihnen, wie Typ‑2‑Diabetes entsteht, wie er festgestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

Was bedeutet Diabetes mellitus Typ 2?

Glukose, also Traubenzucker, ist eine wichtige Energiequelle für unseren Körper. Damit die Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangen kann, wird das Hormon Insulin benötigt.

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Man kann es sich vereinfacht wie einen Schlüssel vorstellen, der den Körperzellen die Tür für die Glukose öffnet.

Bei einem Typ‑2‑Diabetes reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin. Diese verminderte Wirkung wird als Insulinresistenz bezeichnet.

Zu Beginn versucht die Bauchspeicheldrüse, dies durch eine verstärkte Insulinproduktion auszugleichen. Im Laufe der Zeit kann die Insulinproduktion jedoch nachlassen. Dann bleibt immer mehr Glukose im Blut und der Blutzucker steigt an.

Typ‑2‑Diabetes ist daher nicht einfach die Folge davon, dass jemand „zu viel Zucker gegessen“ hat. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen.

Welche Faktoren begünstigen einen Typ‑2‑Diabetes?

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • eine familiäre oder erbliche Veranlagung,
  • Übergewicht, insbesondere vermehrtes Bauchfett,
  • Bewegungsmangel,
  • ein höheres Lebensalter,
  • eine ungünstige Ernährungsweise,
  • Bluthochdruck,
  • erhöhte Blutfettwerte,
  • eine Fettleber,
  • bestimmte Medikamente,
  • hormonelle Erkrankungen,
  • ein früherer Schwangerschaftsdiabetes
  • und das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom, kurz PMOS, früher PCO-Syndrom.

Auch Menschen mit normalem Körpergewicht können an Typ‑2‑Diabetes erkranken. Übergewicht ist ein wichtiger, aber keineswegs der einzige mögliche Faktor.

Diabetes ist keine Frage von Schuld oder mangelnder Willenskraft. Es handelt sich um eine komplexe chronische Stoffwechselerkrankung.

Welche Beschwerden können auftreten?

Ein Typ‑2‑Diabetes entwickelt sich häufig langsam. Viele Betroffene haben über Jahre keine eindeutigen Beschwerden.

Mögliche Anzeichen sind:

  • verstärkter Durst,
  • häufiges Wasserlassen,
  • Müdigkeit oder Leistungsminderung,
  • Konzentrationsprobleme,
  • verschwommenes Sehen,
  • wiederkehrende Infektionen,
  • schlecht heilende Wunden,
  • trockene oder juckende Haut,
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle an den Füßen
  • sowie eine unbeabsichtigte Gewichtsabnahme.

Diese Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch. Häufig wird die Erkrankung zufällig bei einer Blutuntersuchung festgestellt.

Wie wird Typ‑2‑Diabetes festgestellt?

Zur Diagnose stehen verschiedene Blutuntersuchungen zur Verfügung.

Der Nüchternblutzucker wird nach einer längeren Nahrungspause bestimmt. Ein wiederholt gemessener Wert ab 126 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 7,0 Millimol pro Liter spricht für einen Diabetes.

Der sogenannte HbA1c-Wert zeigt, wie hoch der Blutzucker durchschnittlich in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war. Ein bestätigter HbA1c-Wert ab 6,5 Prozent kann ebenfalls für einen Diabetes sprechen.

Eine weitere Möglichkeit ist der orale Glukosetoleranztest. Dabei wird der Blutzucker vor und zwei Stunden nach dem Trinken einer festgelegten Glukoselösung gemessen. Ein Zwei-Stunden-Wert ab 200 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 11,1 Millimol pro Liter liegt im Diabetesbereich.

Auch ein Gelegenheitsblutzucker ab 200 Milligramm pro Deziliter kann bei typischen Beschwerden auf einen Diabetes hinweisen.

Ohne eindeutige Beschwerden muss ein auffälliges Ergebnis in der Regel durch eine erneute oder ergänzende Messung bestätigt werden. Außerdem sollte geprüft werden, ob tatsächlich ein Typ‑2‑Diabetes oder möglicherweise eine andere Diabetesform vorliegt.

Welche Untersuchungen sind nach der Diagnose wichtig?

Nach der Diagnose betrachten wir nicht nur den Blutzucker. Wir erfassen das gesamte persönliche Risiko.

Dazu gehören unter anderem:

  • Blutdruck,
  • Körpergewicht und Taillenumfang,
  • Blutfettwerte,
  • Nierenfunktion,
  • Eiweißausscheidung im Urin,
  • Leberwerte,
  • mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Fußstatus und Nervensensibilität,
  • Augenhintergrund,
  • Rauchgewohnheiten
  • sowie die regelmäßig eingenommenen Medikamente.

Auch die psychische Belastung durch den Diabetes sollte angesprochen werden. Ängste, depressive Beschwerden oder eine Überforderung durch die Therapie sind nicht selten und verdienen Unterstützung.

Welche Therapieziele gibt es?

Das wichtigste Ziel ist nicht lediglich ein möglichst niedriger Messwert.

Die Behandlung soll:

  • Beschwerden vermeiden,
  • die Lebensqualität erhalten,
  • Unterzuckerungen verhindern,
  • Herz und Blutgefäße schützen,
  • die Nierenfunktion bewahren,
  • Augen- und Nervenschäden vermeiden
  • und eine möglichst selbstständige Lebensführung ermöglichen.

Der persönliche HbA1c-Zielwert wird gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten festgelegt. Bei vielen Menschen liegt der vereinbarte Zielbereich ungefähr zwischen 6,5 und 7,5 Prozent.

Dieser Bereich ist jedoch keine starre Vorgabe. Bei jüngeren Menschen ohne schwere Begleiterkrankungen kann ein niedrigeres Ziel sinnvoll sein. Bei älteren oder gebrechlichen Menschen, bei häufigen Unterzuckerungen oder schweren Begleiterkrankungen kann ein höherer Zielwert sicherer sein.

Entscheidend ist eine gemeinsame und realistische Zielvereinbarung.

Die Basistherapie

Die Basis jeder Behandlung besteht aus Diabetes-Schulung, angepasster Ernährung, körperlicher Aktivität und weiteren Veränderungen des Lebensstils.

Diese Maßnahmen bleiben auch dann wichtig, wenn Medikamente erforderlich werden. Gleichzeitig bedeutet die Verordnung eines Medikaments nicht, dass jemand bei der Lebensstiländerung „versagt“ hat.

Typ‑2‑Diabetes schreitet bei vielen Menschen im Laufe der Zeit fort. Deshalb kann trotz großer persönlicher Anstrengung eine zusätzliche medikamentöse Behandlung notwendig werden. 

Ernährung bei Typ‑2‑Diabetes

Es gibt nicht die eine Diabetesdiät, die für alle Menschen geeignet ist. Die Ernährung sollte zur persönlichen Lebenssituation, zu den Vorlieben, zum Körpergewicht und zu möglichen Begleiterkrankungen passen.

Günstig ist meist eine Ernährung mit:

  • viel Gemüse,
  • Hülsenfrüchten,
  • ballaststoffreichen Vollkornprodukten,
  • Nüssen und Samen,
  • hochwertigen Eiweißquellen
  • und möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln.

Zuckerhaltige Getränke lassen den Blutzucker besonders schnell ansteigen und liefern viele Kalorien, ohne lange zu sättigen. Wasser, ungesüßter Tee oder andere kalorienfreie Getränke sind deshalb meist die bessere Wahl.

Auch Kohlenhydrate sind nicht grundsätzlich verboten. Entscheidend sind Menge, Qualität und Verteilung. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte lassen den Blutzucker häufig langsamer ansteigen als Weißbrot, Süßigkeiten oder gezuckerte Getränke.

Eine qualifizierte Ernährungsberatung kann helfen, alltagstaugliche Lösungen zu entwickeln. Strenge Verbote oder kurzfristige Crash-Diäten sind langfristig meist wenig hilfreich.

Welche Bedeutung hat eine Gewichtsreduktion?

Bei Übergewicht oder Adipositas kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme den Stoffwechsel deutlich verbessern.

Eine Gewichtsreduktion kann:

  • die Insulinwirkung verbessern,
  • den Blutzucker senken,
  • den Blutdruck reduzieren,
  • die Blutfettwerte verbessern,
  • eine Fettleber zurückbilden
  • und Gelenke sowie Herz-Kreislauf-System entlasten.

Besonders bei einem noch nicht lange bestehenden Typ‑2‑Diabetes kann eine deutliche und anhaltende Gewichtsabnahme dazu führen, dass die Blutzuckerwerte vorübergehend oder längerfristig wieder unterhalb des Diabetesbereichs liegen. Dies wird als Remission bezeichnet.

Eine Remission ist nicht gleichbedeutend mit einer endgültigen Heilung. Regelmäßige Kontrollen bleiben notwendig, weil der Diabetes erneut auftreten kann.

Körperliche Aktivität

Bewegung verbessert die Wirkung von Insulin. Die Muskeln können während und nach der Aktivität mehr Glukose aus dem Blut aufnehmen.

Empfohlen wird eine Kombination aus:

  • Ausdauerbewegung,
  • Krafttraining
  • und mehr Aktivität im Alltag.

Geeignet sind beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen oder Gymnastik. Auch Treppensteigen, Gartenarbeit und regelmäßige kurze Bewegungspausen sind hilfreich.

Wichtig ist ein realistischer Einstieg. Wer bisher wenig aktiv war oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fußprobleme oder andere körperliche Einschränkungen hat, sollte die geplante Belastung ärztlich abstimmen.

Bei einer Therapie mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten muss außerdem berücksichtigt werden, dass Bewegung eine Unterzuckerung auslösen kann.

Diabetes-Schulung

Eine strukturierte Diabetes-Schulung ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.

Dort lernen Betroffene unter anderem:

  • wie Diabetes entsteht,
  • wie Medikamente wirken,
  • wann Blutzuckermessungen sinnvoll sind,
  • wie Unterzuckerungen erkannt und behandelt werden,
  • worauf bei Ernährung und Bewegung zu achten ist,
  • wie die Füße kontrolliert werden
  • und wie mit besonderen Situationen wie Reisen, Krankheit oder Operationen umgegangen wird.

Ziel ist, dass Patientinnen und Patienten ihre Erkrankung verstehen und im Alltag möglichst sicher und selbstständig damit umgehen können.

 

Wann werden Medikamente eingesetzt?

Medikamente werden empfohlen, wenn die gemeinsam vereinbarten Behandlungsziele durch die Basistherapie allein nicht erreicht werden oder wenn bereits zu Beginn ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen besteht.

Welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt unter anderem ab von:

  • der Höhe des Blutzuckers,
  • dem Körpergewicht,
  • der Nierenfunktion,
  • möglichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • einer Herzschwäche,
  • dem Risiko für Unterzuckerungen,
  • Begleitmedikamenten,
  • Nebenwirkungen,
  • persönlichen Präferenzen
  • und der individuellen Lebenssituation.

Moderne Leitlinien verfolgen deshalb keinen starren Stufenplan für alle Menschen.

Metformin

Metformin ist ein seit vielen Jahren eingesetztes Medikament. Es vermindert vor allem die Zuckerneubildung in der Leber und verbessert die Insulinwirkung.

Bei vielen Menschen ohne schwere Herz-, Nieren- oder Gefäßerkrankung ist Metformin ein geeignetes Medikament zu Beginn der Behandlung. Es verursacht allein normalerweise keine Unterzuckerungen und führt in der Regel nicht zu einer Gewichtszunahme.

Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit,
  • Bauchbeschwerden,
  • Blähungen
  • und Durchfall.

Diese Beschwerden lassen sich oft durch eine niedrige Anfangsdosis, eine langsame Steigerung und die Einnahme zu einer Mahlzeit verringern.

Bei längerfristiger Einnahme kann ein Vitamin-B12-Mangel auftreten. Deshalb kann eine Kontrolle sinnvoll sein.

Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion darf Metformin nicht oder nur eingeschränkt eingesetzt werden. Eine sehr seltene, aber ernste Komplikation ist die Laktatazidose. Bei schweren akuten Erkrankungen, Flüssigkeitsmangel, bestimmten Untersuchungen oder Operationen kann deshalb eine vorübergehende Pause notwendig sein. Dies sollte ärztlich festgelegt werden.

Medikamente zum Schutz von Herz und Nieren

Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche oder chronischer Nierenerkrankung richtet sich die Medikamentenwahl nicht allein nach dem HbA1c-Wert.

Bestimmte SGLT‑2-Hemmer und GLP‑1-Rezeptoragonisten können zusätzlich zum blutzuckersenkenden Effekt das Risiko bestimmter Herz- und Nierenkomplikationen vermindern.

Sie können deshalb je nach Erkrankung frühzeitig eingesetzt werden – teilweise unabhängig davon, ob der Blutzucker nur leicht oder deutlich erhöht ist.

SGLT‑2-Hemmer

Zu den SGLT‑2-Hemmern gehören beispielsweise Empagliflozin und Dapagliflozin.

Diese Medikamente bewirken, dass ein Teil der Glukose über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird. Sie können den Blutzucker senken, das Körpergewicht leicht reduzieren und haben allein nur ein geringes Risiko für Unterzuckerungen.

Bei geeigneten Patientinnen und Patienten können sie besonders bei Herzschwäche und chronischer Nierenerkrankung wichtige Vorteile bieten.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken sind:

  • Pilzinfektionen im Genitalbereich,
  • häufigeres Wasserlassen,
  • Flüssigkeitsmangel,
  • Blutdruckabfall
  • und selten eine sogenannte Ketoazidose.

Eine Ketoazidose ist eine gefährliche Stoffwechselentgleisung. Sie kann unter SGLT‑2-Hemmern auch auftreten, wenn der Blutzucker nicht extrem hoch ist. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit, tiefe Atmung oder ein auffälliger Atemgeruch.

Das Risiko kann unter anderem bei längerem Fasten, starkem Flüssigkeitsmangel, schweren Infektionen, Operationen, sehr kohlenhydratarmer Ernährung oder starkem Alkoholkonsum erhöht sein.

Vor geplanten Operationen und bei schweren akuten Erkrankungen müssen SGLT‑2-Hemmer häufig vorübergehend pausiert werden. Der genaue Zeitraum wird ärztlich festgelegt.

GLP‑1-Rezeptoragonisten und Tirzepatid

GLP‑1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkung eines körpereigenen Darmhormons nach. Dazu gehören beispielsweise Semaglutid und Dulaglutid.

Tirzepatid wirkt an zwei Rezeptoren, nämlich am GIP- und am GLP‑1-Rezeptor.

Diese Medikamente:

  • steigern die Insulinausschüttung abhängig vom Blutzucker,
  • vermindern die Glukagonwirkung,
  • verzögern teilweise die Magenentleerung,
  • reduzieren häufig den Appetit
  • und können zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen.

Einige Präparate werden einmal wöchentlich gespritzt. Semaglutid steht für die Adipositasbehandlungaußerdem in einer besonderen Tablettenform zur Verfügung.

Ozempic enthält Semaglutid und ist für die Behandlung eines unzureichend kontrollierten Typ‑2‑Diabetes zugelassen. Wegovy enthält ebenfalls Semaglutid, ist aber in anderer Dosierung für die Behandlung von Übergewicht und Adipositas vorgesehen. Die Präparate sind daher nicht beliebig austauschbar.

Mounjaro enthält Tirzepatid und ist unter anderem für einen unzureichend kontrollierten Typ‑2‑Diabetes zugelassen. Es wird einmal wöchentlich gespritzt.

Häufige Nebenwirkungen dieser Wirkstoffe sind:

  • Übelkeit,
  • Völlegefühl,
  • Durchfall,
  • Verstopfung,
  • Bauchschmerzen
  • und Erbrechen.

Die Dosis wird deshalb normalerweise schrittweise gesteigert. Kleinere Mahlzeiten und der Verzicht auf sehr fettreiche Speisen können die Verträglichkeit verbessern.

Selten können ernsthafte Probleme wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Gallensteine, eine Gallenblasenentzündung oder eine starke Austrocknung auftreten. Anhaltende starke Bauchschmerzen, besonders in Verbindung mit Erbrechen, müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Bei einer bereits bestehenden diabetischen Netzhauterkrankung sind augenärztliche Kontrollen besonders wichtig. Eine sehr schnelle Verbesserung stark erhöhter Blutzuckerwerte kann eine Retinopathie vorübergehend verschlechtern.

Diese Medikamente sind verschreibungspflichtige Therapien und keine Lifestyle-Produkte. Die Auswahl und Dosierung müssen ärztlich erfolgen.

DPP‑4-Hemmer

DPP‑4-Hemmer wie Sitagliptin verlängern die Wirkung bestimmter körpereigener Darmhormone.

Sie senken den Blutzucker, sind meist gewichtsneutral und verursachen allein nur selten Unterzuckerungen. Ihre blutzuckersenkende Wirkung ist häufig geringer als die von GLP‑1-Rezeptoragonisten.

Je nach Wirkstoff müssen Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

Sulfonylharnstoffe

Sulfonylharnstoffe regen die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung an. Sie können den Blutzucker wirksam senken, haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen und können zu einer Gewichtszunahme führen.

Besonders bei älteren Menschen, unregelmäßigen Mahlzeiten oder eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht notwendig.

Diese Medikamente werden heute seltener eingesetzt als früher, können aber in bestimmten Situationen weiterhin sinnvoll sein.

Weitere Medikamente

Je nach individueller Situation kommen auch weitere Wirkstoffe infrage.

Pioglitazon verbessert die Insulinempfindlichkeit, kann aber zu Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen führen. Bei einer Herzschwäche ist es in der Regel ungeeignet. Auch ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche muss berücksichtigt werden.

Alpha-Glukosidasehemmer verzögern die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm. Häufige Nebenwirkungen sind Blähungen und andere Magen-Darm-Beschwerden.

Die Entscheidung für oder gegen ein Medikament sollte immer gemeinsam und unter Berücksichtigung von Nutzen, Risiken und persönlichen Bedürfnissen getroffen werden.

Wann ist Insulin notwendig?

Auch bei einem Typ‑2‑Diabetes kann eine Insulinbehandlung erforderlich werden.

Dies kann beispielsweise der Fall sein:

  • bei sehr hohen Blutzuckerwerten,
  • bei deutlichen Beschwerden,
  • bei unbeabsichtigter Gewichtsabnahme,
  • bei einer schweren Stoffwechselentgleisung,
  • während bestimmter akuter Erkrankungen,
  • vor oder nach Operationen,
  • während einer Behandlung mit stark blutzuckersteigernden Medikamenten
  • oder wenn andere Therapien nicht ausreichen beziehungsweise nicht vertragen werden.

Eine Insulintherapie ist kein persönliches Versagen. Sie ersetzt oder ergänzt lediglich ein Hormon, das der Körper nicht mehr in ausreichender Menge bereitstellen kann.

Häufig wird zunächst ein lang wirkendes Basalinsulin einmal täglich eingesetzt. Bei Bedarf kann die Behandlung erweitert werden.

Wichtige Risiken sind Unterzuckerungen und eine mögliche Gewichtszunahme. Deshalb gehören eine sorgfältige Schulung, die richtige Injektionstechnik und klare Regeln zur Dosisanpassung dazu.

Was ist eine Unterzuckerung?

Von einer Unterzuckerung spricht man meist bei einem Blutzucker unter 70 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 3,9 Millimol pro Liter.

Unterzuckerungen treten vor allem unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen auf. Metformin, SGLT‑2-Hemmer, DPP‑4-Hemmer und GLP‑1-basierte Medikamente lösen allein normalerweise keine Unterzuckerung aus.

Mögliche Warnzeichen sind:

  • Zittern,
  • Schwitzen,
  • Herzklopfen,
  • Heißhunger,
  • Unruhe,
  • Schwindel,
  • Konzentrationsstörungen
  • oder Verwirrtheit.

Bei einer leichten Unterzuckerung sollten schnell wirksame Kohlenhydrate eingenommen werden, beispielsweise Traubenzucker oder eine festgelegte Menge eines zuckerhaltigen Getränks. Danach wird der Blutzucker erneut kontrolliert.

Ist die betroffene Person bewusstlos, darf nichts eingeflößt oder in den Mund gegeben werden. Dann muss sofort der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden. Angehörige können nach entsprechender Schulung Glukagon anwenden.

Sind regelmäßige Blutzuckermessungen notwendig?

Nicht jeder Mensch mit Typ‑2‑Diabetes muss täglich den Blutzucker messen.

Regelmäßige Selbstmessungen sind besonders wichtig bei:

  • einer Insulintherapie,
  • Medikamenten mit erhöhtem Unterzuckerungsrisiko,
  • akuten Erkrankungen,
  • einer Neueinstellung oder Therapieänderung,
  • unklaren Beschwerden
  • und besonderen Situationen wie Autofahren, Sport oder Schichtarbeit.

Bei einer Behandlung ohne Unterzuckerungsrisiko können zeitlich begrenzte strukturierte Messungen häufig sinnvoller sein als routinemäßige tägliche Kontrollen.

Auch kontinuierliche Glukosemesssysteme können bei bestimmten Patientinnen und Patienten hilfreich sein. Ob sie medizinisch erforderlich sind und von der Krankenkasse übernommen werden, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Warum Blutdruck und Cholesterin so wichtig sind

Für das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls sind nicht nur die Blutzuckerwerte entscheidend.

Auch Bluthochdruck, erhöhte LDL-Cholesterinwerte, Rauchen, Bewegungsmangel und Nierenerkrankungen spielen eine wichtige Rolle.

Deshalb kann die Behandlung zusätzlich umfassen:

  • eine konsequente Blutdruckeinstellung,
  • cholesterinsenkende Medikamente,
  • Unterstützung beim Rauchstopp
  • und bei bestimmten Vorerkrankungen weitere gefäßschützende Therapien.

Ein guter HbA1c-Wert allein bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko ausreichend behandelt ist.

Welche Kontrollen sind langfristig erforderlich?

Typ‑2‑Diabetes benötigt regelmäßige Verlaufskontrollen.

Dazu gehören je nach persönlicher Situation:

  • HbA1c und Blutzucker,
  • Blutdruck,
  • Körpergewicht,
  • Blutfettwerte,
  • Nierenfunktion,
  • Eiweißausscheidung im Urin,
  • Untersuchung der Füße,
  • Kontrolle der Einstichstellen bei Injektionen,
  • augenärztliche Untersuchungen,
  • Überprüfung der Medikamente
  • sowie Impfstatus und Zahngesundheit.

Die Füße sollten regelmäßig selbst auf Druckstellen, Verletzungen, Rötungen oder Blasen kontrolliert werden. Bei Gefühlsstörungen können kleine Verletzungen unbemerkt bleiben.

Neue Wunden, Verfärbungen oder Entzündungszeichen sollten zeitnah ärztlich untersucht werden.

Wann ist schnelle medizinische Hilfe notwendig?

Eine rasche ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:

  • anhaltend sehr hohen Blutzuckerwerten,
  • starkem Durst und häufigem Wasserlassen,
  • Erbrechen oder ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel,
  • ungewöhnlicher Schläfrigkeit oder Verwirrtheit,
  • tiefer oder auffällig schneller Atmung,
  • starken Bauchschmerzen,
  • wiederholten schweren Unterzuckerungen
  • oder Bewusstseinsstörungen.

Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, schwerer Atemnot oder einer deutlichen Bewusstseinsveränderung sollte sofort der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden.

Schwangerschaft und Kinderwunsch

Bei Kinderwunsch sollte die Diabetesbehandlung frühzeitig ärztlich besprochen werden.

Einige Diabetesmedikamente sind während der Schwangerschaft nicht geeignet und müssen rechtzeitig umgestellt werden. Häufig ist Insulin die bevorzugte Behandlung.

GLP‑1-basierte Medikamente und SGLT‑2-Hemmer dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Medikamente sollten jedoch nicht eigenständig abgesetzt werden. Die Umstellung muss geplant und ärztlich begleitet erfolgen.

Zusammenfassung

Typ‑2‑Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der Insulin zunächst schlechter wirkt und später häufig nicht mehr in ausreichender Menge produziert wird.

Die Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen:

  • Diabetes-Schulung,
  • einer individuell passenden Ernährung,
  • regelmäßiger körperlicher Aktivität,
  • Gewichtsreduktion, wenn diese medizinisch sinnvoll ist,
  • der Behandlung von Blutdruck und Blutfetten
  • sowie individuell ausgewählten Medikamenten.

Metformin ist für viele Menschen weiterhin ein geeignetes Basismedikament. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche, chronischer Nierenerkrankung oder ausgeprägtem Übergewicht können SGLT‑2-Hemmer, GLP‑1-Rezeptoragonisten oder Tirzepatid besondere Vorteile haben.

Wenn Insulin notwendig wird, ist dies kein Zeichen des Versagens, sondern eine wirksame und bewährte Behandlung.

Entscheidend ist nicht ein einzelner Messwert. Entscheidend ist eine Therapie, die zu Ihrer gesundheitlichen Situation passt, Folgeerkrankungen möglichst verhindert und sich dauerhaft in Ihren Alltag integrieren lässt.

Lassen Sie Ihre Behandlung regelmäßig überprüfen und sprechen Sie Nebenwirkungen, Unsicherheiten oder Schwierigkeiten offen an. Gemeinsam kann die Therapie so angepasst werden, dass sie medizinisch wirksam, sicher und im Alltag umsetzbar bleibt.