Indikation Schilddrüsenoperation

Fast schon aus Tradition wurde in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr häufig die Schilddrüsen operiert. Aufgrund der ganz überwiegend gutartigen Knotenveränderungen (weit über 95%), die sich dann nach der Operation ergeben und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich die Kriterien für eine Operation geändert haben, ist die Zahl der Schilddrüsenoperationen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

Nach wie vor wird jedoch noch zu häufig operiert. Aus diesem Grund wurden von Schilddrüsenexperten (Endokrinologen und endokrine Chirurgen) Leitlinien erstellt, die die Indikation für eine Operation besser charakterisieren konnten

So bedarf es nur einer Zuführung einer Operation, wenn ein deutliches Druck- oder Engegefühl im Halsbereich vorliegt, der Knoten sonographisch suspekt und Krebs-verdächtig erscheint, eine mögliche Feinnadelpunktion hier einen Krebsverdacht erhärtet oder wenn eine Überfunktion vorliegt, die nicht medikamentös heilend oder keiner Radiojod-Therapie zugeführt werden kann oder möchte.

Insbesondere die bessere Beurteilung und durch hochauflösende Ultraschalluntersuchung empfindlichere Methode zur Knotenanalyse, ob hier ein auffälliger Knoten mit Krebsverdacht vorliegt, hat hier entscheidend beigetragen. Es gibt den sog. TIRADS-Score (Thyroid Imaging Reporting and Data-System) der deutlich besser differenzieren kann, ob ein Knoten nur beobachtet werden muss oder dieser durch eine Feinnadelpunktion oder eine Operation weiter abgeklärt werden sollte. Diesbzgl. gibt es insgesamt 6 Klassifikationen, bei denen bis Klassifikation 2 kein Risiko für eine Malignität besteht und bei Klassifikation 3 nur in weniger als 5%. Über 95% aller Knoten fallen in diesen Bereich. Zudem kann heute durch eine Verfeinerung der Sonographie (Ultraschall) mittels einer Elastographie (Elastizitäts-Messung) die Weichheit eines Knotens bestimmt werden. Ist dieser weich, liegt eine niedrige Bösartigkeitswahrscheinlichkeit vor. Wenn die Knoten zudem eine zapfenartige Form haben oder der Rand unscharf begrenzt ist, sollte auch operiert werden. Dies ist jedoch sehr selten der Fall.

Zu unterscheiden sind von Knoten auch Zysten, die Flüssigkeits-gefüllte kleine Kugeln darstellen, die bei einem Druckgefühl auch einfach durch eine Feinnadelpunktion punktiert werden können.

Zudem kann bei sog. warmen Knoten, die zu einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse führen können, eine Radiojod-Therapie als primäre Therapieoption in Erwägung gezogen werden. Dies erfordert aufgrund der strengen Strahlenschutzverordnung in Deutschland eine ca. 4-5-tägigen Aufenthalt auf einer nuklearmedizinischen Station. Hierbei schluckt der Patient eine Kapsel mit radioaktivem Jod, die selektiv und gezielt in den Knoten wandert und dort die Überfunktion behandelt. Die dafür nötige Dosis wird mit der Nuklearmedizin vor der Therapie genau berechnet, so dass in über 90% der Fälle die Überfunktion hierdurch geheilt wird. In selteneren Fällen muss hier anschließend eine Schilddrüsenhormongabe erfolgen.

Bei der besonderen Überfunktionsform durch eine Autoimmunerkrankung (Morbus Basedow) wird zunächst für 12-18 Monate eine Tablettentherapie durchgeführt. In ca. der Hälfte der Fälle heilt die Überfunktion danach aus, so dass keinesfalls sofort und umgehend operiert werden muss.

Zusammenfassend muss somit hier festgestellt werden, dass eine Operation nur in speziellen Gründen bei einer Vergrößerung der Schilddrüse, Druck und Engegefühl des Halses durch Knoten sowie Knoten mit Bösartigkeitsverdacht oder spezielle Überfunktionsformen erforderlich ist. Dies sollte von erfahrenen Schilddrüsenspezialisten (Endokrinologen) vorher genau evaluiert werden. Auf der anderen Seite hat sich die Schilddrüsen-Chirurgie in den letzten Jahren durch Optimierung der Operationsverfahren deutlich verbessert. So kann durch ein sog. Neuromonitoring (Überwachung der Stimmbandnerven während der Operation) und auch durch Lupenbrillen Blutungen oder auch Störungen der sog. hinter der Schilddrüse liegenden Epithelkörperchen verhindert und geschont werden, so dass die Komplikationsraten in erfahrenen und zertifizierten Schilddrüsen-Zentren deutlich zurückgegangen sind.

Insofern ist bei einer Vergrößerung einer Schilddrüse oder eines Knotens in keinster Weise stets Eile geboten. Hier kann zunächst in Ruhe evaluiert und häufig abgewartet werden.

 

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