Akromegalie in der Endokrinologie

Schilddrüsenspezialist Prof. med. Herrmann über Akromegalie in der Endokrinologie, Diagnostik und Therapie.

Wie lange ist in der Endokrinologie Akromegalie bekannt?

1885 hat Pierre Marie die Akromegalie erstmals exakt beschrieben. Hierbei handelte es sich überwiegend um Patienten, die Ihre Akromegalie im Pubertätsalter oder davor entwickelt haben, sodass ein Riesenwuchs (Gigantismus) entstanden ist. Im Laufe der Zeit konnte durch Röntgenaufnahmen und Laboruntersuchungen das Wachstumshormon-produzierende Hypophysenadenom (gutartige Geschwulst der Hirnanhangsdrüse) entdeckt bzw. verifiziert werden. Zurückliegende Untersuchungen aus dem 17.Jahrhundert als auch bis in die ägyptische Zeit zeigen Abbildungen des sogenannten Echnaton, der Ehemann der Pharaonin Nofretete. In den 70er und 80er Jahren konnte dann das Wachstumshormon als auch das Insulin-like-Peptid (IGF-1), welches zunächst Somatomedin genannt wurde, gemessen werden. In der Folgezeit haben sich die Laborverfahren weiter verfeinert, sodass heute die Wachstumshormon (GH: growth hormone) und das IGF -1 als Routineparameter gemessen werden kann.

Kennen sich alle Endokrinologen mit Akromegalie aus?

In aller Regel sollte jeder Endokrinologe über das spezifische Krankheitsbild der Akromegalie informiert sein. Wie in allen Bereichen der Medizin gibt es jedoch endokrinologische Fachkollegen, die sich im besonderen Maße mit der Akromegalie auseinander gesetzt haben. Diese Fachkollegen haben hierüber auch klinische und wissenschaftlich-experimentelle Studien durchgeführt, Promotionen hierüber verteilt und Studien auf internationalen Fachtagungen präsentiert. Seit 15 Jahren gehöre ich dieser letzteren Gruppe an und beschäftige mich wissenschaftlich mit den Folgeerkrankungen der Akromegalie (insb. Herzveränderungen und Schlaf-Apnoe-Syndrom).

 

Gab es in der Endokrinologie in den letzten Jahren neue Entwicklungen bei der Diagnostik und Therapie von Akromegalie?

In den letzten Jahren konnte das Medikament Pegvisomant (Somavert©) zur Behandlung der Akromegalie auf den Markt gebracht werden. Das ist das derzeit wirksamste Medikament im Vergleich zu den anderen sogenannten Somatostatinen-Analoge wie Lanreotid (Somatuline©) und Octreotid (Sandostatin©). Pegvisomant (Somavert©) ist ein sogenannter Wachstumshormon-Rezeptor-Antagonist, welches über 90% den IGF-1 Spiegel normalisieren kann. Heute wird häufig eine Kombination aus Pegvisomant und Somatostatinanaloga als medikamentöse Option bei Patienten mit Akromegalie gewählt. Primäres Ziel sollte nach wie vor die Resektion (Operation) bzw. Entfernung des Hypophysenadenoms sein. Gelingt dies nicht im vollen Maße, muss eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.  Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit einer sogenannten stereotaktischen bzw. gezielten Bestrahlung des Restadenoms (Cyberknife). Hierbei muss jedoch ein gewisser Abstand zum Sehnerv eingehalten werden. Darüber hinaus sind die Operationsverfahren deutlich verfeinert worden. Im Übrigen kann auch während der Operation eine Kernspintomographie (MRT-Untersuchung) dem Operateur behilflich sein.

 

Was ist das Deutsche Akromegalie-Register?

In Deutschland wird seit über 10 Jahren ein Register geführt, welches alle akromegalen Patienten einschließen kann. Dies hat den Vorteil, dass Näheres über die Häufigkeit der Heilung durch Operation oder deren medikamentöse Einstellung als auch durch Folgeerkrankungen erfahren werden kann. Das deutsche Akromegalie Register ist angegliedert an die Arbeitsgemeinschaft Hypophyse der DGE (Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie). Ich gehöre der AG Hypophyse als auch der DGE seit vielen Jahren als aktives Mitglied an.

 

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